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Du bist jetzt der Product Owner!

Product Owner

Es wird viel geschrieben und viel erzählt. Unternehmen fangen an agil arbeiten zu wollen. Sie platzieren einen sogenannten Product Owner in ein Team und sagen “jetzt lauf mal drauf los”. Oftmals fühlt man sich dann verloren und versucht auf seinen Instinkt zu hören. Am runden Tisch sitzen nun also ein Team aus Entwicklern, ein Scrum Master und der Product Owner. Dies sind die 3 Rollen eines Scrum Teams. Und wie geht es jetzt weiter? Scrum hast du schon einmal gehört, aber nur aus dem Augenwinkel und eigentlich weißt du gar nicht was von dir verlangt wird. Bisher hat es doch auch geklappt? Wir machen Wasserfall und liefern in Abständen Komponenten ab. Konzept, Design, Frontend und Backend. Das klang bisher sehr gut und am Ende kam auch immer ein Produkt heraus, dass am Markt platziert werden konnte. Warum wollen jetzt alle alles ändern und mir einen neuen Jobtitel verpassen?

Kommt dir das bekannt vor? Dann wird dir der folgende Artikel helfen um mehr Klarheit zu gewinnen über die Rolle und die Aufgaben.

Definition Product Owner

“Der Product Owner ist dafür verantwortlich, den Wert des Produktes zu maximieren, das aus der
Arbeit des Entwicklungsteams entsteht.”

aus dem Scrum Guide von Ken Schwaber und Jeff Sutherland

Die Maximierung des Produktwertes steht also im Vordergrund. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsteam ist ebenfalls nötig, damit man diesen Wert auch generieren kann. Der Nutzen selbst kommt aus einer Liste von kundenzentrierten Anforderungen. Diese werden in einem Backlog untergebracht. Diese Anforderungen kommen aber nicht von ungefähr, sondern werden von der Produktvision abgeleitet. 

Product Owner Aufgaben

Product Owner
Product Owner Aufgaben

Produktvision

Die Vision formt den strategischen Rahmen. Worum geht es bei deinem Produkt? Was möchtest du erreichen? Wer ist deine Zielgruppe? Was ist dein Alleinstellungsmerkmal?

Geoffrey O Moore beschreibt in seinem Buch “Crossing the Chasm”, dass “Early Adopters” (also Nutzer, die frühzeitig im Produktzyklus das Produkt nutzen) eine Vision spüren möchten bei der Erstbenutzung. Moore empfiehlt hierbei ein Format, welches alle wichtigen Aspekte auf einen Blick klar und verständlich präsentiert. Um dem Product Owner die Erstellung einer solchen Vision zu erleichtern, gibt es ein Format, welches hilft seine Gedanken festzuhalten.

Moore Statement

  • Für <Zielgruppe>
  • der <warum Bedarf besteht>
  • ist <Produktname >
  • ein <Produktkategorie>
  • mit dem [primärer Nutzen des Produkts].
  • Im Gegensatz zu <Wettbewerber>
  • haben wir <Wettbewerbsvorteil>

Praxisbeispiel

  • Für < alle Musikliebhaber >
  • die < das Bedürfnis haben Musik mobil hören zu wollen>
  • ist < der iPod>
  • ein <portabler digitaler Musikplayer>
  • mit <einem Speicher von 5000 Songs und 30 Stunden Akkuzeit.>
  • Im Gegensatz zu <traditionellen Musikplayern>
  • haben wir <ein Produkt, wo man sehr schnell seinen Lieblingssong zwischen tausenden von Songs auswählen kann und die Möglichkeit hat seine gesamte Musikbibliothek vom Computer auf den iPod schnell synchronisieren kann.>

Die Vision ist immer der Startpunkt deiner Überlegungen, bevor du in das Schreiben von Anforderungen tief eintauchst. Besinne dich also auf die absolute Essenz des Produktes. Das Moore Statement gibt dir den richtigen Anstoß und hilft ungemein in Workshops um das gesamte Team auf seine Seite zu bekommen.

Product Backlog Management

Nach der Vision sollte man sich Gedanken machen über den Aufbau eines Backlogs. Eine Hauptaufgabe des Product Owners besteht darin diesen Backlog zu verwalten, zu priorisieren und klar und verständlich zu gestalten. Ein Backlog ist eine Liste von Anforderungen, welche helfen das Produkt herunter zu brechen in einzelne Backlog Items (Milestones).

Der Product Owner managt den Backlog und niemand anderes hat eine Hoheit darüber. Stakeholder können Backlog Items beitragen, jedoch ist es am Ende der Product Owner der diese anordnet und priorisiert.

Product Backlog
Eine Liste von Anforderungen in einem Backlog (gezeigt im Projektmanagement Tool Jira)

Der Product Owner hat die Aufgabe diesen Backlog so klar und verständlich, wie möglich, zu gestalten. Der Backlog sollte kontinuierlich priorisiert werden, sodass die nächsten Schritte, im Produktentwicklungsprozess, deutlich werden.

Maximierung des Nutzens

“Your job isn’t to build more software faster: it’s to maximize the outcome and impact you get from what you choose to build.” 

Jeff Patton, Erfinder von User Story Mapping

Eine Nutzenmaximierung ist stark an das Product Backlog Management angelehnt. Hier geht es primär darum, dass der Product Owner und das Team um ihn herum, sprich Entwicklungsteam und Stakeholder, die Product Backlog Einträge so gestalten dass der maximale Produktwert immer im Vordergrund stehen sollte. Statistisch gesehen “versteckt” sich der eigentliche Nutzen oftmals in den Backlog Einträgen (auch Items genannt) und nur 20% der Anforderungen kreieren einen wirklichen Wert. Umso mehr ist es nötig seine eigenen Anforderungen an das Produkt zu hinterfragen und im Sinne des Endusers zu handeln. Der User, der am Ende das Produkt benutzen wird, definiert was Wert und was keinen Wert hat. In Scrum arbeitet man in Sprints (auch Iterationen genannt) und liefert z.B. alle 2 Wochen ein marktfähiges Ergebnis, welches veröffentlicht werden kann. Man sollte kontinuierlich mit Usern in Kontakt stehen, analytische Zahlen im Auge behalten (z.B. Wieviel Downloads gab es, wie lange verweilt ein User in meiner Applikation?) und die nächsten Schritte immer kritisch hinterfragen.

Enge Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsteam

Das Team ist zweifelsohne das Herzstück der Implementierung. Das Team selbst übernimmt die Verantwortung für die Auslieferung des Sprint Backlogs. Damit die richtigen Sachen, auf die richtige Art und Weise, implementiert werden, bedarf es einer engen Zusammenarbeit zwischen Product Owner und Entwicklungsteam. 

Wenn dem Entwickler nicht klar ist, was implementiert werden soll, warum solltest du erwarten, dass dein User es dann weiß? Klare Anforderungen für Backlog Items zu formulieren ist essentiell.

Backlog Items Erstellung

Der Satz oben sagt es eigentlich schon aus. Als Product Owner sollte man sichergehen, dass klare Anforderungen definiert werden. Schließlich geht es um die Zukunft deines Produktes und der Firma. 

Zusammenfassung

Der Product Owner sollte 4 grundsätzliche Dinge als Mittelpunkt seiner Arbeit ansehen:

  • Eine Produktvision erstellen
  • Den Product Backlog effektiv verwalten, updaten und priorisieren
  • Den Nutzen maximieren und User und Stakeholder Feedback in Überlegungen miteinbeziehen
  • Mit dem Team eng zusammen arbeiten. Der Nutzen wird in der Implementierung geliefert. Klare Anforderungen sind ein Must Have.


Über den Autor


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Mein Name ist Christopher Wieduwilt, ich bin agiler Coach und ich helfe Menschen, Teams und Organisationen ein agiles Mindset und kundenzentrierte Produkte zu entwickeln.

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